Ein Elternabend der etwas anderen Art

26.01.2026

Mit einem Vorstoss und einem ersten Elternabend in der Primarschule vernetzen wir Schule und Wirtschaft und zeigen Kindern möglichst früh die unterschiedlichen Berufswelten und die Chancen einer Lehre auf. Denn: eine frühe Sensibilisierung für die vielfältigen Berufs- und Bildungswege wirkt.

Am Ende der Primarstufe werden die Kinder in die verschiedenen Leistungszüge der Sekundarstufe eingeteilt. Das sorgt oft für eine gehörige Portion Leistungsdruck, weil Eltern und Kinder fürchten, mit der Einteilung in weniger anspruchsvolle Leistungszüge aufs Abstellgleis zu geraten. Zugleich haben viele Eltern und Kinder das Gefühl, bereits jetzt wissen und entscheiden zu müssen, was das Kind später einmal werden will. Diese Sorgen entstehen meist, weil vielen nicht bewusst ist, wie das Schweizer Bildungssystem funktioniert – und wie vielfältig die Wege zu einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn tatsächlich sind.

Lebendige Einblicke in berufliche Laufbahnen

Aus diesem Grund haben wir mit der Primarschule Bruderholz und der Schulsozialarbeit Basel-Stadt bei Helvetia Baloise einen Elternabend der etwas anderen Art auf die Beine gestellt. Rund 50 Kinder der 6. Klassen und ihre Eltern nahmen zusammen mit Erziehungsdirektor Mustafa Atici und Berufsleuten aus Wirtschaft und Verwaltung teil. Das Ziel: mit kindgerechten Informationen und lebendigen Laufbahnbeispielen die vielen verschiedenen Bildungswege sichtbar machen und aufzeigen, dass kaum eine Karriere geradlinig verläuft und sich akribisch planen lässt. So bekommen Kinder und Eltern ein realistisches Bild beruflicher Laufbahnen – und spüren am Ende weniger Druck durch die schulische Einteilung.

Durchlässigkeit des Bildungssystems eröffnet viele Wege

In ihrem Überblick über das Schweizer Bildungssystem hob Fabienne Stähelin, verantwortlich für den Nachwuchs bei Baloise, immer wieder hervor, wie wertvoll die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems ist: Einmal getroffene Laufbahnentscheide sind nicht endgültig – auf jeder Stufe können neue Wege eingeschlagen werden, und es öffnen sich immer wieder neue Türen.

Karriere mit Lehre und Umwegen

Bestes Beispiel dafür waren die Berufsleute aus Wirtschaft und Verwaltung. Sie schilderten ihre Karrierewege anhand selbstgestalteter Plakate. Und überraschten die Kinder mit einer Tatsache:  Keiner von ihnen hat am Ende den Beruf ergriffen, den sie oder er sich ursprünglich gewünscht hatte. Statt Pilot, Profisportlerin oder Musiker standen der Leiter Berufsbildung, die HR-Chefin und der CEO vor ihnen. Ebenso erstaunte die Kinder eine weitere Gemeinsamkeit der Berufsleute: Alle absolvierten ursprünglich eine Berufslehre und in jedem Lebenslauf fanden sich immer wieder Neuanfänge und Umorientierungen.

Das Bild zeigt Eltern und Kinder, die einem Mann vor seinem Plakatvortrag zuhören
Berufswelt spielerisch entdecken

Die vielen Fragen der Kinder beim anschliessenden Podium zeigten: Schon Primarschülerinnen und Primarschüler interessieren sich lebhaft für die Berufswelt. Deshalb ist es wichtig, ihnen früh und spielerisch – ganz ohne Entscheidungsdruck – die Vielfalt an Berufen und Möglichkeiten in unserem Bildungssystem näherzubringen. Die Rückmeldungen der Kinder zeigen, wie wichtig der direkte Kontakt zwischen Wirtschaft und Schule ist und wie sehr Kinder von authentischen Laufbahnbeispielen profitieren können. Dabei beeindruckten die Kinder sowohl Misserfolge – wie der Abbruch des Gymnasiums – als auch Erfolge. Und sie staunten über die vielfältigen Möglichkeiten, die sich in einer Laufbahn auftun können.

Das Bild zeigt sitzende Eltern und Kinder, die der Podiumsdiskussion zuhören
Vorstoss fordert spielerische Erkundung der Berufswelt

Bereits vor diesem Elternabend traten Schulen mit dem Wunsch an uns heran, die Erkundung der Berufswelt bereits in der Primarschule zu etablieren. Forschungen zeigen, dass eine spielerische Sensibilisierung für die vielfältigen Berufs- und Bildungswege in der Primarschule besonders wirksam ist. Da Kinder bereits sehr früh damit beginnen, das Spektrum an Berufen einzugrenzen, die sie interessieren, ist es wichtig, sie mit vielen verschiedenen Berufsfeldern und Laufbahnbeispielen in Berührung zu bringen. Ende 2025 haben wir deshalb einen Vorstoss verfasst, der die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft auffordert, ein Konzept für die Entdeckung der Berufswelten in der Primarschule zu entwickeln – inklusive gemeinsamer Elternabend mit der Wirtschaft. Der Grosse Rat hat den Vorstoss einen Tag nach dem ersten, erfolgreichen Elternabend mit grosser Mehrheit überwiesen.

 

Das Bild zeigt Eltern und Kinder, die einem Mann vor seinem Plakatvortrag zuhören

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