Geschwindigkeit und Daten sind entscheidend
Die klinische Forschung wird immer internationaler. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um klinische Studien. Nicola Pittner, Director Global Clinical Operations & Emerging Markets BeOne, erklärt, welche Stärken die Schweiz heute auszeichnen, welche Faktoren bei der Standortwahl entscheidend sind und wie die Schweiz ihre Position im internationalen Wettbewerb stärken kann.
BeOne hat seinen globalen Hauptsitz in Basel angesiedelt. Was macht die Schweiz für Ihr Unternehmen, das weltweit klinische Studien durchführt, zu einem attraktiven Forschungsstandort?
Die Schweiz vereint erstklassige Wissenschaft, hohe klinische Kompetenz, qualifizierte Fachkräfte und verlässliche Rahmenbedingungen. Für BeOne bietet Basel den idealen Standort für das Europageschäft. Die Region gehört zu den führenden Life-Sciences-Zentren Europas. Hier bringen wir wissenschaftliche Erkenntnisse rasch zu den Patientinnen und Patienten.
Der globale Wettbewerb um klinische Studien nimmt zu. Wo steht die Schweiz im Vergleich zu führenden Standorten in Europa, Asien und Nordamerika?
Die Schweiz behauptet sich besser als viele andere europäische Länder. Jahr für Jahr bewilligen die Behörden rund 200 neue klinische Studien. International verändern sich die Kräfteverhältnisse jedoch deutlich. China baut seinen Anteil an weltweiten Studienstarts stark aus, während Europa deutlich an Boden verliert. In einigen Bereichen hat die Schweiz auch Nachteile. Dazu gehören die kleine Bevölkerungszahl, die ungenügende Vernetzung von Gesundheitsdaten, aufwendige Verfahren beim Studienstart und hohe Kosten. Zudem ist es hier nicht so einfach, Patientinnen und Patienten für klinische Studien zu gewinnen.
Wenn BeOne über den Standort einer klinischen Studie entscheidet: Welche Faktoren geben den Ausschlag?
Drei Faktoren stehen im Vordergrund: Geschwindigkeit, Gesundheitsdaten und das Gewinnen von Personen, die an Studien teilnehmen möchten. Je schneller ein Land nach der Bewilligung mit einer Studie starten kann, desto interessanter wird es für Unternehmen. Kurze Fristen senken die Kosten und beschleunigen die Entwicklung neuer Medikamente. Gleichzeitig erhalten Unternehmen früher Klarheit über das Potenzial eines Wirkstoffs. Ebenso entscheidend es, Patientinnen und Patienten zu gewinnen. Gerade in der Onkologie brauchen wir genügend betroffene Personen, die rasch an einer Studie teilnehmen möchten.
Auch Gesundheitsdaten gewinnen an Bedeutung. Gut aufbereitete und vernetzte Daten helfen uns, betroffene Patientinnen und Patienten schneller zu finden. Zudem schaffen sie ein besseres Verständnis der Krankheits- und Behandlungsverläufe.
Was muss die Schweiz in den nächsten zehn Jahren tun, um als Standort für klinische Forschung und Studien attraktiver zu werden?
Erstens braucht die Schweiz einfachere und schnellere Bewilligungsverfahren. Heute prägen sieben kantonale Ethikkommissionen sowie ein mehrsprachiges System mit unterschiedlichen Zuständigkeiten die Abläufe. Eine stärkere nationale Koordination könnte hier viel bewirken. Zudem sollte die Schweiz prüfen, ob sie wichtige Studien schneller bewilligen kann.
Zweitens muss die Schweiz klinische Studien für Patientinnen und Patienten sowie für Ärztinnen und Ärzte sichtbarer machen. Ein starkes nationales Studienportal, digitale oder KI-gestützte Hilfsmittel zur Suche von Teilnehmenden sowie eine bessere Vernetzung von Ärztinnen, Ärzten und Studienzentren könnten dazu beitragen. Dezentrale Studienmodelle könnten mehr Patientinnen und Patienten den Zugang zu klinischen Studien ermöglichen, ohne dass jedes Spital selbst zu einem offiziellen Studienzentrum werden muss.
Drittens muss die Schweiz Gesundheitsdaten besser vernetzen und konsequent nutzen. Initiativen wie DigiSanté könnten die Datennutzung verbessern. Gleichzeitig braucht die Forschung qualifizierte Fachkräfte. Deshalb bleiben ebenso Investitionen in Menschen und ihre Kompetenzen wichtig.
«Die Schweiz vereint erstklassige Wissenschaft, hohe klinische Kompetenz, qualifizierte Fachkräfte und verlässliche Rahmenbedingungen», sagt Nicola Pittner, Director Global Clinical Operations & Emerging Markets BeOne.