Rückenwind für die Bilateralen

22.06.2026

Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung will den bilateralen Weg stabilisieren und weiterentwickeln – gleichzeitig muss das Asylrecht konsequent umgesetzt und das Potenzial inländischer Arbeitskräfte besser genutzt werden. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage von economiesuisse.

Der Beitrag ist erstmals auf der Website von economiesuisse erscheinen Rückenwind für die Bilateralen | economiesuisse

Eine aktuelle repräsentative Umfrage von economiesuisse unter der Stimmbevölkerung zeigt: Das Abstimmungsresultat zur 10-Millionen-Initiative ist kein Zufall, sondern auch auf die breite Unterstützung des bilateralen Wegs zurückzuführen.

Rund zwei Drittel der Befragten beurteilen den bilateralen Weg mit der EU grundsätzlich positiv. Diese Zustimmung zieht sich auch durch einzelne zentrale Elemente der Zusammenarbeit, insbesondere die Personenfreizügigkeit, die ebenfalls von einer klaren Mehrheit getragen wird.

Das Bild zeigt Abstimmungsergebnisse «Wie beurteilen Sie insgesamt die aktuellen bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU?» Quelle: Sotomo, Juni 2026
Mehrheit will bilateralen Weg

Auch eine Stabilisierung und Weiterentwicklung des bilateralen Wegs mit den Bilateralen III findet eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent Zustimmung. Zwei Drittel der Befragten sprechen sich dafür aus, die Beratungen im Parlament konsequent weiterzuführen.

Das Bild zeigt Abstimmungsergebnisse «Befürworten Sie das aktuelle Personenfreizügigkeitsabkommen der Schweiz mit der EU?» / «Befürworten Sie das Schengen-Abkommen, dem die Schweiz angehört?» / «Befürworten Sie das Dublin-Abkommen, dem die Schweiz angehört?» / «Der Bundesrat hat mit der EU ein Paket an neuen Verträgen ausgehandelt (teilweise als «Bilaterale III» bezeichnet). Das Paket beinhaltet verschiedene Elemente zur Stabilisierung der bestehenden Abkommen sowie neue Abkommen. Befürworten Sie das neue Vertragspaket der Schweiz mit der EU?» Quelle: Sotomo, Juni 2026
Kein europapolitischer Richtungswechsel gewünscht

Die Umfrage legt insgesamt nahe, dass die Bevölkerung keinen grundsätzlichen europapolitischen Richtungswechsel wünscht. Gefragt sind vielmehr Kontinuität, Verlässlichkeit und eine pragmatische Weiterentwicklung der Beziehungen zur EU.

Massnahmen in der Asylpolitik notwendig

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Herausforderungen rund um die Zuwanderung von der Bevölkerung durchaus gesehen werden. Die Prioritäten liegen gemäss Umfrage vor allem bei innenpolitischen Massnahmen: eine striktere Umsetzung im Asylbereich, insbesondere bei Ausschaffungen und Einschränkungen, sowie bei der besseren Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials.

Insgesamt zeichnet die Umfrage ein kohärentes Bild: Die Schweizer Stimmbevölkerung steht klar hinter den bilateralen Beziehungen zur EU und unterstützt deren Weiterentwicklung. Gleichzeitig erwartet sie, dass politische Antworten auf die Zuwanderung primär im Inland gefunden werden – pragmatisch, differenziert und ohne den bewährten bilateralen Weg infrage zu stellen.

Ein starrer Bevölkerungsdeckel hätte das Dichteproblem nicht gelöst, sondern nur neue Probleme geschaffen und den Wirtschaftsstandort gelähmt.

Das Abstimmungsresultat darf jedoch nicht falsch interpretiert werden. Die Zuwanderung der letzten 25 Jahre wird in der Bevölkerung als Problem empfunden. Die Sorgen sind real. Deshalb darf die Politik nun nicht in den kollektiven Tiefschlaf verfallen. Sie muss die Ängste ernstnehmen. Es müssen Taten und Reformen folgen.

Jetzt braucht es Reformen

Drei Baustellen dulden für Christoph Mäder, Präsident economiesuisse, keinen Aufschub mehr:

  • Der Bau von Wohnraum ist durch bürokratische Hürden blockiert. Das darf nicht sein. Wir brauchen eine radikale Beschleunigung der Baubewilligungen. Es braucht mehr Wohnungen. Das gleiche gilt für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.
  • Bei der Altersvorsorge lässt sich die Demografie nicht wegdiskutieren; die Zuwanderung kann das auf die Dauer nicht kurieren. Das System braucht strukturelle Reformen, wozu unweigerlich ein höheres Rentenalter gehört.
  • Ein Alarmsignal ist zudem die ausufernde Staatsquote. Staat und Verwaltung wachsen und wachsen – schneller als die Privatwirtschaft. Hinzu kommt eine massive Umverteilung: Der jüngste Subventionsbericht des IWP legt offen, dass fast 50 Milliarden Franken an Subventionen verteilt werden. Mit der Giesskannenmentalität muss Schluss sein. Auch nach dem Entlastungspaket 27 muss das Ausmisten im Bundeshaushalt weitergehen. Nur so kann der Staat künftig Schwerpunkte setzen.

Gute Beziehungen zu Europa zentral

Entscheidend ist zudem: Mit dem Nein zur 10-Millionen-Initiative ist der Weg frei für die vertiefte Diskussion über die Bilateralen III. Das Votum der Stimmberechtigten ist ein klares Bekenntnis zum bilateralen Weg. Im heutigen geopolitisch volatilen Umfeld ist diese Haltung sehr vernünftig: Die Schweiz braucht eine stabile Beziehung zu Europa, denn unser Wohlstand ist eng mit dem Kontinent verknüpft.

www.economiesuisse.ch 

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