Basis für Medikamente und Therapien

05.02.2026

Seien es Krebs oder psychischen Erkrankungen – am Anfang vieler Medikamente und Therapien stehen Studien mit Tieren. Warum diese häufig gesetzlich vorgeschrieben sind und an welchen Alternativen geforscht wird, weiss Prof. Dr. Laura Suter-Dick, Arbeitsgruppenleiterin Zellbiologie und in-vitro-Toxikologie an der Hochschule für Life Sciences FHNW.

Frau Suter-Dick, warum braucht es Studien mit Tieren?

In der medizinischen Forschung, benötigt es Studien, die den gesamten Organismus widerspiegeln. Man muss die systemischen Zusammenhänge verstehen und den gesamten Prozess verfolgen können – angefangen bei der embryonalen Entwicklung. Die Forschung dient dem Menschen und dazu, Tiermedikamente und -nahrung zu entwickeln. Es gibt bereits zahlreiche zellbasierte Tests, aber um das Ganze zu verstehen braucht es noch immer Studien mit Tieren.

Warum kann man nicht einfach darauf verzichten?

Wir haben derzeit noch nicht das richtige «Werkzeug», um uns ein Gesamtbild zu verschaffen. In der angewandten Forschung müssen wir genau beobachten, ob sich Substanzen positiv oder negativ auf den Organismus auswirken. Mit in-vitro-Methoden erhalten wir ein sehr fragmentiertes Bild, was nicht erlaubt, eine fundierte Risiko-Bewertung zu machen.

In welchen Fällen sind sie gesetzlich vorgeschrieben?

Die Zulassungsbehörden verlangen von den Forschungsunternehmen und -institutionen, dass diese eine Risikoabwägung machen. Das heisst: Wirksamkeit, Sicherheit, vertretbare Nebenwirkungen, aber auch der Nutzen, müssen eindeutig nachgewiesen werden. Dazu gibt es internationale Richtlinien, die auf Tierversuche hinweisen. Schlägt ein Forschungsunternehmen eine Untersuchung ohne diese vor, dann müssen die Daten wissenschaftlich vertretbar und die Risikoabwägung gewährleistet sein.

Doch die Zulassungsbehörden wie Swissmedic, die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und US Food and Drug Administration (FDA) sind sehr offen für Alternativmethoden und haben Expertinnen und Experten, um diese genau zu prüfen. Beispielsweise hat die FDA eine eigene Forschungsabteilung, um in diesem Bereich schneller vorwärtszukommen. Zudem möchte ich hier auch auf den «FDA Modernization Act» hinweisen. Das ist ein Vorschlag zu einer Gesetzesänderung in den USA, die darauf abzielt, Alternativen zu Tierversuchen in der Medikamentenentwicklung voranzutreiben, und um die derzeitigen FDA-Vorschriften entsprechend zu aktualisieren.

Das Bild zeigt das Portrait von Frau Prof. Dr. Laura Suter-Dick Prof. Dr. Laura Suter-Dick ist Arbeitsgruppenleiterin Zellbiologie und in-vitro-Toxikologie an der Hochschule für Life Sciences FHNW

Tests an Tieren unterliegen dem ethischen 3R-Prinzip – was steckt hinter den Begriffen Replacement, Reduction und Refinement?

Replacement – Wenn möglich, müssen Tierversuche durch alternative Methoden ersetzt werden.

Reduction – Wenn Test an Tieren unvermeidlich sind, dann muss die Anzahl der eingesetzten Tiere so gering wie möglich gehalten werden. Zudem sollte die Studie so gestaltet sein, dass die Wissenschaftler so viele Informationen wie möglich aus dem Versuch ablesen können.

Refinement – Die Studiendurchführung muss so gestaltet werden, dass Leiden und Belastung für die Tiere so gering wie möglich sind. Das bezieht sich auch auf die artgerechte Tierhaltung. 

Wie steht es in der Region Basel um die 3R – welchen Beitrag leisten Industrie sowie Wissenschaft und Forschung?

Wir haben hier eine grosse Dichte an Pharma- und Biotechnologieunternehmen, schon deshalb ist der Beitrag der Region Basel gross – sei es von Seiten der Industrie als auch seitens der Wissenschaft. Die grossen Institutionen, wie die Universität Basel, die FHNW und das D-BSSE, forschen intensiv an alternativen Methoden, um Tierversuche zu ersetzen. Die FHNW hat zu diesem Thema gerade einen neuen Kurs etabliert: «CAS Advances Research Methods: Implementing the 3Rs in Animal testing». Dieser startet Anfang 2026 und setzt damit ein deutliches Signal, dass man hier weiterkommen möchte. Auch das an der Uni Basel angesiedelte Swiss Centre for Applied Human Toxicology arbeitet eng mit den Behörden zusammen, und forscht ebenfalls intensiv an der Entwicklung von alternativen Methoden. Blicken wir auf die Industrie so ist beispielsweise die Tierhaltung des Unternehmens Hoffmann-La Roche ganz neu und entspricht dem höchsten Standard. Das Tierwohl und auch die Qualität der Ergebnisse werden somit deutlich verbessert.

An neuen Methoden wird intensiv geforscht – wann könnte es Alternativen geben?

In den letzten Jahren hat sich viel getan und es gibt bereits sehr gute Alternativmethoden für spezifisch Fragestellungen. Um dermatologisch angewendete Produkte zu testen, gibt es beispielsweise sehr gute Hautmodelle und bei Versuchen zu mutagenen Chemikalien können Bakterien verwendet werden. Diese Methoden sind von den Behörden inzwischen anerkannt. Aber wie bereits zu Beginn gesagt: Es fehlen noch immer systemische Modelle, um ein Gesamtbild zu bekommen. Das ist technisch schwer zu bewältigen und noch nicht vollständig gelöst. Tierversuche werden in der pharmazeutischen Entwicklung noch immer gebraucht, aber an Alternativen wird intensiv geforscht. Zudem ist es in der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben und wird streng überprüft, dass – wenn möglich – alternative Methoden gebraucht werden.

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