Weshalb Forschung für ein Innovationsökosystem entscheidend ist

09.11.2026

Geballte Forschungskompetenz, globale Netzwerke, mutige Startups: In der Region Basel trifft Wissen auf Unternehmergeist. Hochschulen, Forschungsinstitute und Unternehmen arbeiten auf engem Raum an neuen Therapien und Technologien. Ihr Austausch macht die Region zu einem starken Innovationsökosystem – und schafft die Grundlage für Lösungen, die weltweit Wirkung entfalten.

Was verstehen Sie unter einem Innovationsökosystem? 

Martin Dätwyler: Für mich ist ein Ökosystem ein Umfeld, in dem unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen und sich gegenseitig verstärken. Innovativ ist es dann, wenn aus diesem Zusammenspiel neue Ideen und wirtschaftliche Wirkung entstehen. Unsere Region bietet dafür besonders gute Voraussetzungen: Wir haben eine aussergewöhnliche Dichte an Forschungskompetenz in international tätigen Unternehmen, spezialisierten KMU und innovativen Startups, die im Miteinander neue Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle hervorbringen. Das schafft Wertschöpfung, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts und kommt damit der ganzen Region zugute.

Christof Klöpper: Der Begriff Innovationsökosystem wird heute beinahe inflationär verwendet. Die Analogie zu natürlichen Ökosystemen hilft, um zu verstehen, wie Innovation entsteht. Wie in der Natur kommt es auch in einem Innovationsökosystem auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Elemente an. Unternehmen, Startups, Hochschulen, Forschungsinstitute, Investoren und der Staat sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden – durch Kooperationen, Finanzierungen, Wissensaustausch oder Geschäftsbeziehungen. Gleichzeitig bewegen sie sich innerhalb gemeinsamer Rahmenbedingungen. So entsteht ein komplexes, dynamisches System, in dem sich die Akteure gegenseitig beeinflussen und auf Veränderungen reagieren müssen. Wie in der Natur ist auch in einem Innovationsökosystem das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Wer ein solches System gezielt stärken will, muss deshalb nicht nur die einzelnen Akteure, sondern vor allem ihr Zusammenspiel und die komplexen Wechselwirkungen verstehen.

Was hält ein starkes Innovationsökosystem langfristig lebendig?

Klöpper: Ein starkes Innovationsökosystem lebt vom Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure und ihrer Fähigkeit, sich laufend weiterzuentwickeln. Entscheidend sind dabei Offenheit für neue Ideen und Akteure sowie die Fähigkeit, sich an technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen anzupassen. Eine zentrale Rolle spielen die beeinflussbaren Rahmenbedingungen: Sie müssen so gestaltet sein, dass sie Innovation, Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung des gesamten Systems begünstigen. Denn ein Innovationsökosystem lässt sich nicht durch isolierte Einzelmassnahmen stärken. Vielmehr gilt es, die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen sich das komplexe Zusammenspiel der Akteure bestmöglich entfalten kann.

Dätwyler: Das sehe ich auch so. Entscheidend ist, dass Unternehmen weiterhin bei uns investieren, forschen und produzieren. Dazu braucht es gute Bedingungen zum Wirtschaften – wie den Zugang zu hochqualifizierten Fachkräften, genügend Wirtschaftsflächen für Forschung und Unternehmensentwicklung und eine exzellente Bildungslandschaft. Für ein innovations- und wirtschaftsfreundliches Umfeld setzen wir uns von der Handelskammer beider Basel engagiert ein. Nicht zuletzt braucht es den Mut, neue Technologien früh aufzugreifen. Mit QuantumBasel und dem ersten kommerziellen Quantencomputer der Schweiz haben wir bei uns in der Region früh Kompetenzen und Infrastruktur in diesem zukunftsrelevanten Technologiefeld aufgebaut. Unser Standort ist also gut positioniert. Diese Stärke ist aber keine Selbstverständlichkeit: Im internationalen Wettbewerb müssen wir nicht nur gut, sondern attraktiver sein als andere Standorte.

Wie gut funktioniert das Innovationsökosystem der Region Basel?

Dätwyler: Sehr gut, gerade weil die Wege bei uns zwischen Forschung, Entwicklung und Produktion kurz sind: Innovation bleibt nicht im Labor, sondern kann rasch den Weg in die Anwendung und in internationale Märkte finden. Das zeigt sich besonders in den Life Sciences, wirkt aber darüber hinaus in zahlreiche weitere Branchen. Mit Innovationsstandorten wie dem Switzerland Innovation Park Basel Area, - den die Handelskammer vor Jahren durch intensives Lobbying beim Bund zu uns nach Basel geholt hat - uptownBasel und dem Tech Park Basel verfügen wir über attraktive Know-how-Hubs, an denen sich Unternehmen aus innovationsgetriebenen Branchen entwickeln und vernetzen können. Es ist zentral, diese Dynamik zu erhalten, damit Unternehmen auch künftig in unserer Region investieren, wachsen und Wertschöpfung schaffen. Mit unserem Startup-Booster «Digital Accelerator Basel» leisten wir dazu einen Beitrag, indem wir junge Technologieunternehmen mit Industriepartnern, Investoren und potenziellen Kunden zusammenbringen.

Klöpper: Ich meine auch, dass unser Innovationsökosystem sehr gut funktioniert. Die Region Basel hat sich in den letzten 20 Jahren von einem Standort, der durch wenige Grossunternehmen geprägt war, zu einem vielfältigen Ökosystem entwickelt. Die grossen Unternehmen spielen zwar weiterhin eine zentrale Rolle, hinzugekommen sind jedoch zahlreiche Startups, kleinere Unternehmen und internationale Akteure. Zu dieser Entwicklung haben auch gezielte Wirtschaftsförderungsmassnahmen beigetragen, etwa der Switzerland Innovation Park Basel Area, BaseLaunch, DayOne oder die Unterstützung bei Firmenansiedlungen durch Basel Area Business & Innovation.

Das Bild zeigt eine Frau im Labor. Exzellente Forschung, starke Netzwerke und der enge Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft machen die Region Basel zu einem international erfolgreichen Innovationsökosystem.
Wie zentral ist Forschung für das Innovationsökosystem der Region Basel?

Dätwyler: Forschung ist ein zentraler Erfolgsfaktor für unsere Region. Sie schafft neues Wissen und bildet damit die Basis für Innovation. Unsere Stärke liegt aber nicht allein in der hohen Qualität der Forschung, sondern ebenso in der Fähigkeit, daraus marktfähige Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Dafür braucht es den Transfer zwischen Hochschulen, Forschungsinstituten und Unternehmen sowie Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse unternehmerisch weiterentwickeln. Das gelingt in unserer Region bereits sehr gut, wie beispielsweise die zahlreichen Spin-offs aus der Universität Basel zeigen: Sie bringen Erkenntnisse aus der Forschung in die Anwendung und lassen daraus neue Technologien und Unternehmen entstehen. Von starken Hochschulen und einer exzellenten Forschungslandschaft profitiert letztlich die ganze Region.

Klöpper: Forschung ist eine tragende Säule des Innovationsökosystems der Region Basel. Neben der akademischen Forschung spielt insbesondere die private Forschung eine zentrale Rolle. Allein Roche und Novartis investieren jährlich Milliarden in Forschung und Entwicklung und tragen damit wesentlich zur Innovationskraft der Region bei. Besonders erfreulich ist auch die wachsende Vielfalt privater und unabhängiger Forschungsinstitute wie dem Friedrich Miescher Institute, dem Botnar Institute of Immune Engineering, dem Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel und dem Roche Institute of Human Biology. Wie aus exzellenter Forschung erfolgreiche Unternehmen entstehen, zeigt zum Beispiel Alentis Therapeutics. Das von BaseLaunch unterstützte Unternehmen hat kürzlich mit CSL eine Vereinbarung abgeschlossen, die eine Vorauszahlung von 355 Millionen US-Dollar und mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar vorsieht. Alentis ist auf dem Main Campus des Switzerland Innovation Park Basel Area in Allschwil ansässig. Alentis ist ein Beispiel für das erfolgreiche Zusammenspiel von Forschung, Unternehmertum und gezielter Innovationsförderung.

Wie wichtig ist es für das regionale Innovationsökosystem, in ein weltweites Forschungsnetzwerk eingebunden zu sein?

Klöpper: Das ist für unser Innovationsökosystem absolut entscheidend. Gerade in den Life Sciences entstehen Fortschritte, wenn Fachwissen, Technologien und Erfahrungen zusammenkommen. Wie ein natürliches Ökosystem lebt auch ein Innovationsökosystem vom Austausch mit seiner Umgebung. Ein isoliertes System verliert langfristig an Vielfalt und Anpassungsfähigkeit. Deshalb sind internationale Forschungsbeziehungen für die Region Basel unverzichtbar. Kooperationen, wie sie etwa die Universität Basel pflegt, und die Beteiligung an europäischen Forschungsprogrammen wie Horizon Europe ermöglichen es, Wissen zu teilen und komplexe Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Unsere regionale Stärke wächst durch internationale Offenheit: Wir nehmen weltweit Wissen und Impulse auf, bringen eigene Erkenntnisse ein und schaffen so die Voraussetzungen für neue Anwendungen und Unternehmen.

Dätwyler: Für die Region Basel ist die internationale Einbindung zentral. Unser Wirtschafts- und Forschungsstandort lebt vom Austausch über die Landesgrenzen hinweg, besonders mit Europa. Die Teilnahme der Schweiz an Horizon Europe, dem Forschungs- und Innovationsrahmenprogramm der Europäischen Union, ist für unsere Region deshalb von grosser Bedeutung. Sie öffnet wichtige Türen für gemeinsame Forschungs- und Innovationsprojekte und stärkt die internationale Vernetzung unserer Hochschulen und Unternehmen. Mit den Bilateralen III schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass unsere Unternehmen und Institutionen auch künftig Zugang zu diesem Netzwerk und damit zu Wissen, Fachkräften, Partnern und Märkten haben. Denn Innovation entsteht heute in internationalen Netzwerken.

Porträt von Christof Klöpper und Martin Dätwyler Christof Klöpper, CEO Basel Area Business & Innovation, und Martin Dätwyler, Direktor Handelskammer beider Basel.

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