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Mehr Tempo bei Bauprojekten

09.09.2026

Ein Jahr nach unserem Themendossier zur Flächenknappheit ziehen wir an unserem Fachkongress «Zone Zukunft» eine gemischte Bilanz: Reformen sind angestossen, doch Flächen für Unternehmen und Wohnraum sind weiterhin zu langsam verfügbar. Deshalb bleiben wir mit einem Vorstosspaket dran – für einfacheres Bauen und Entwickeln. 

Entwicklung braucht Raum. Doch wie schafft man ihn in der bereits verdichteten Schweiz? Diese Frage diskutierten rund 250 Fachleute an unserem Fachkongress «Zone Zukunft». Zum Auftakt zogen Michael Hug, Leiter Verkehr, Raumplanung, Energie und Umwelt Handelskammer beider Basel, und sein Mitarbeiter Raphael Buchbauer Bilanz. Ihr Fazit: Es tut sich etwas, aber zu langsam. 

Es tut sich etwas, aber zu langsam 

«Mit dem Raumkonzept Schweiz bietet der Bund wichtige Grundlagen. Zudem ist der Rat für Raumordnung auf nationaler Ebene daran, Handlungsempfehlungen für die Sicherung der Flächen für die produzierende Wirtschaft zu schaffen. Andere Kantone wie Zürich oder Zug testen bereits flexiblere Planungsinstrumente. In den beiden Basel ist vieles angekündigt, aber noch wenig wirksam. Positiv ist, dass Baselland Verfahren vereinfacht und ein Wirtschaftsflächen-Dashboard eingeführt hat», fassten die beiden zusammen. In Basel-Stadt bleiben hingegen die Baubewilligungsverfahren ein Problem: Laut Bericht der Geschäftsprüfungskommission dauern 83 Prozent der untersuchten Gesuche länger als die in der Regel gesetzlich vorgeschriebenen drei Monate - im Schnitt sogar acht Monate. 

Podiumsgespräch und Publikum Rund 250 Gäste nahmen an unserem Fachkongress «Zone Zukunft» teil. Gastgeberin war die F. Hoffmann-La Roche AG in Basel.
Neun Vorstösse für einfacheres Bauen  

Um Bewegung in die Raumentwicklung zu bringen, reagiert die Handelskammer mit neun Vorstössen in beiden Kantonsparlamenten. «Wir fordern flexiblere Planungsinstrumente, bessere Anreize für Verdichtung, eine kantonsübergreifende Koordination der Wirtschaftsflächen sowie schnellere Bewilligungsverfahren», so Hug und Buchbauer weiter. Entscheidend ist, dass bis zur nächsten Bilanz tatsächlich mehr Raum für Arbeiten und Wohnen verfügbar ist. 

Raumplanung hinkt Nachfrage hinterher 

Anschliessend informierte Immobilienökonom Stefan Fahrländer, dass die Wohnungsnachfrage im Raum Basel bis 2040 deutlich steigen wird. Gründe dafür sind das Bevölkerungswachstum, die Zuwanderung, kleinere Haushalte sowie die Konzentration wertschöpfungsstarker Branchen in den Zentren. Laut Fahrländer reichen die verfügbaren Bauzonen jedoch vielerorts nicht aus – oder sie liegen am falschen Ort. 

In Basel-Stadt werden bis 2040 rund 15’300 zusätzliche Wohnungen benötigt. Unter den heutigen Bedingungen können aber nur etwa 11’600 gebaut werden. Damit droht also eine Lücke von 3’700 Wohnungen. Das könnte Mieten weiter erhöhen und Haushalte sowie Arbeitsplätze ins Umland verdrängen. Fahrländers Fazit: Die Nachfrage wächst schneller, als die Raumplanung reagieren kann. Als Lösungsansätze nannte er eine raschere bauliche Verdichtung, die Prüfung sogenannter «weisser Zonen» sowie gezielte Einzonungen in Stadtnähe bei gleichzeitigen Auszonungen in peripheren Gebieten.  

Basel baut hoch – doch wer zieht ein? 

Basel plant in den nächsten zehn Jahren rund 40 Hochhäuser mit über 2’500 Wohnungen. Demografie-Experte Hendrik Budliger stellte jedoch die Wachstumserwartungen infrage. Europa schrumpft seit 2021, seine Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bereits seit 2012. Auch Basel-Stadt wächst langfristig nur langsam: Zwischen 1980 und 2020 nahm die Bevölkerung lediglich um drei Prozent zu, schweizweit waren es 28 Prozent. Gleichzeitig stagnieren der Arbeitsmarkt und die Geburtenrate. Auch die Nachbarregionen Baden und Elsass verlieren Erwerbspersonen. 

Damit droht ein Zielkonflikt: Bodenpreise, Renditeerwartungen und Kapitalmarktdruck treiben den Wohnungsbau voran, während Alterung, veränderte Haushaltsformen und eine arbeitsmarktgetriebene Zuwanderung die Nachfrage begrenzen könnten. Budligers zentrale Frage lautet deshalb: Wer wird künftig in den neuen Hochhäusern wohnen?

Diskussion über die Raumplanung und demografische Entwicklungen. Podiumsdiskussion über die Raumplanung und demografische Entwicklungen.
Verfahren endlich beschleunigen  

Während der Bedarf an attraktiven Flächen für die Wirtschaft ausser Frage steht, diskutierten die beiden Keynote-Speaker im Anschluss mit Marco Feusi, CEO HIAG, und Joëlle Zimmerli, Inhaberin Zimraum, über die Antworten der Raumplanung auf demografische Entwicklungen. Das Podium war sich einig: Es braucht mehr Planungs- und Investitionssicherheit. Feusi und Zimmerli kritisierten die Vielzahl an Fachstellen, Abstimmungsprozessen und Empfehlungen, die Projekte verzögern, ohne verbindliche Entscheide herbeizuführen. Gleichzeitig betonten sie, dass die Baulandreserven häufig nicht dort liegen, wo sie für die Wohnraumentwicklung benötigt werden. 

Bei der künftigen Wohnungsnachfrage gingen die Einschätzungen auseinander. Während die einen eine steigende Nachfrage aufgrund der Ansiedlung wertschöpfungsintensiver Unternehmen, zusätzlicher Arbeitsplätze und der anhaltenden Attraktivität von Städten und Agglomerationen erwarten, gehen andere davon aus, dass mit dem Austritt der Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben vermehrt Wohnungen auf den Markt zurückkommen. 

Mehr Zusammenarbeit bei Wirtschaftsflächen  

Martin Saladin, Leiter Direktion für Standortförderung SECO, machte in seinem Input deutlich, dass wirtschaftliche Entwicklung und Raumentwicklung untrennbar verbunden sind. Weil Boden knapp ist, brauche es langfristige Lösungen statt kurzfristiger Abkürzungen. Arbeitszonen müssten aktiv geplant und regional abgestimmt werden. 

Entscheidend seien eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, der Erfahrungsaustausch sowie Instrumente wie die Neue Regionalpolitik, regioSuisse und gemeinsame Projektdatenbanken. Nur verfügbare, erschlossene, rechtssicher vorbereitete und marktfähige Flächen geben Unternehmen künftig ausreichend Raum und stärken den Wirtschaftsstandort Schweiz. 

Podiumsgespräch Podiumsgespräch über die Bedeutung der Raumentwicklung als Standortfaktor.
Richtiger Standort zur richtigen Zeit 

Die Bedeutung der Raumentwicklung als Standortfaktor beleuchteten auch die Podiumsteilnehmenden Johannes Eisenhut, Geschäftsführer Senn Development AG, Anita Grams, Vorsitzende Rat für Raumordnung, Julian Kamasa, Verantwortlicher Wirtschaftsflächen Kanton BS, Thomas Kübler, Leiter Standortförderung Kanton BL, und Arnaud de Montmollin, Standortleiter CBRE Basel. Sie kamen zum Schluss, dass für Unternehmensansiedlungen entscheidend ist, dass Wirtschaftsflächen zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sind. Genau darin liegt jedoch die zentrale Herausforderung: Während die Raumplanung mit Planungshorizonten von 20 bis 25 Jahren arbeitet, orientieren sich Unternehmen bei Standortentscheiden, Umzügen oder Neuansiedlungen häufig an Zeiträumen von wenigen Monaten. Diese unterschiedlichen Zeithorizonte erschweren es, Flächenangebot und Nachfrage optimal aufeinander abzustimmen. 

Planungssicherheit als Schlüssel zum Erfolg 

Abschliessend gab Gabriela Theus, Geschäftsführerin Immofonds Asset Management AG, Einblick in Wankdorfcity 3. Auf dem ehemaligen Werkhof und späteren Gewerbezentrum entsteht ein dichtes, gemischt genutztes Stadtquartier. Bis 2029 sollen dort 1’500 Arbeitsplätze entstehen, 1’100 Menschen wohnen und 1’000 Kinder und Jugendliche zur Schule gehen. Wichtig für eine erfolgreiche Arealtransformation sind aus ihrer Sicht klare Planungsgrundlagen, eine enge Zusammenarbeit mit Behörden und Nachbarschaft sowie schnelle, pragmatische Entscheidungen. Die Baubewilligung für Wankdorfcity 3 lag übrigens nach sechs Monaten vor. 

Wer Entwicklung will, muss Raum schaffen 

Den Schlusspunkt setzte Handelskammer-Direktor Martin Dätwyler: «Es ist Bewegung in die Diskussion gekommen. Das ist positiv. Jetzt braucht es aber mehr Tempo. Wer Entwicklung will, muss Raum schaffen. Deshalb bleiben wir dran und treiben die notwendigen Reformen mit Vorstössen gezielt voran.»  

Anschliessend bot der Netzwerkapéro Gelegenheit für vertiefende Gespräche und Austausch.  

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