Solide Wirtschaft, wachsende Unsicherheit

03.06.2026

Die Unternehmen der Region zeigen sich widerstandsfähig. Gleichzeitig blicken sie vorsichtiger auf die kommenden Monate. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handelskammer beider Basel. Nicht eine akute Krise belastet die Unternehmen am stärksten, sondern die wachsende Unsicherheit. Deshalb braucht die Region Basel jetzt verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. 

Der Stimmungsbarometer Frühling 2026 der Handelskammer beider Basel zeigt ein differenziertes, aber klares Bild: Die Unternehmen der Region Basel stehen weiterhin solide da. 50 Prozent der Befragten beurteilen ihren aktuellen Geschäftsgang als gut bis sehr gut, ein weiteres Drittel als befriedigend. Beschäftigung und operative Tätigkeit bleiben in den meisten Branchen stabil. 

Unsicherheit bremst 

Für die nächsten Monate äussern sich die Unternehmen aber deutlich vorsichtiger. Sie investieren gezielter, priorisieren stärker und beurteilen ihre Aussichten zurückhaltender als noch im Herbst 2025. «Die Planbarkeit nimmt ab. Geopolitische Spannungen, handelspolitische Risiken, schwankende Energie- und Rohstoffpreise, der starke Schweizer Franken sowie wachsende regulatorische Belastungen erschweren Entscheide. Hinzu kommt, dass für viele Unternehmen stabile und verlässliche Beziehungen zur Europäischen Union von zentraler Bedeutung bleiben», erläutert Andreas Meier, stv. Direktor Handelskammer beider Basel. 

Investitionen unter Druck, Fokus auf Zukunftsfähigkeit 

Erfreulich ist, dass die Unternehmen der Region Basel weiterhin investieren, jedoch gezielter. Sie setzen vor allem auf Projekte, die Produktivität, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und strategische Zukunftsfähigkeit stärken. Infrastruktur- und Kapazitätsausweitungen treten dagegen in den Hintergrund. Gleichzeitig geraten die Margen in vielen Branchen unter Druck. Belastend wirken vor allem der starke Schweizer Franken, höhere Beschaffungs- und Transportkosten, steigende Energiepreise sowie die nur begrenzte Möglichkeit, zusätzliche Kosten weiterzugeben. Die personelle Situation bleibt stabil, viele Unternehmen prüfen aber ihre Kostenbasis.

Geopolitische Spannungen belasten exportorientierte Region Basel 

Exportorientierte Unternehmen spüren die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen besonders stark. Die US-Zollpolitik verunsichert vor allem wegen ihrer Unberechenbarkeit. Unternehmen berichten von sinkender Nachfrage, Margeneinbussen, Investitionsverschiebungen und Zurückhaltung im Markt. Betroffen sind nicht nur Unternehmen mit direktem US-Geschäft. Zahlreiche Betriebe sind indirekt über internationale Lieferketten, Vorprodukte, Absatzmärkte oder Investitionsentscheide ihrer Kunden von den Entwicklungen betroffen. Ähnlich werden die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten beurteilt: Sie erhöhen die Risiken in Logistik, Energieversorgung und Lieferketten und führen zu höheren Kosten und mehr Unsicherheit. 

Wirtschaftspolitik muss Priorität haben 

Auch in der Schweiz wachsen die standortpolitischen Herausforderungen. Viele Unternehmen nennen hohe Kosten, zunehmende Bürokratie, langsame Bewilligungsverfahren und zusätzliche Regulierungen als wachsendes Problem. Besonders kritisch beurteilt wird der sogenannte Swiss Finish: Wenn die Schweiz internationale Vorgaben noch verschärft. Das schafft gerade in international verflochtenen Branchen zusätzliche Unsicherheit und Mehrkosten. Die Life Sciences-Branche beschäftigt zudem die Debatte über die Medikamentenpreise. 

In einer Zeit hoher internationaler Unsicherheit brauchen die Unternehmen der exportorientierten Region Basel verlässliche, wettbewerbsfähige und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören auch weniger nationale und regionale Sonderauflagen, schnellere Verfahren, ein innovationsfreundliches Preis- und Vergütungssystem bei Medikamenten sowie stabile Beziehungen zur Europäischen Union, die den Unternehmen Rechtssicherheit, planbaren Marktzugang und langfristige Investitionssicherheit bieten. 

«Die Unternehmen in unserer Region stehen auf solidem Fundament. Aber sie brauchen gerade jetzt verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Wir brauchen dringend eine Renaissance der Wirtschaftspolitik. Denn wenn Unsicherheit anhält, leiden Investitionen, Innovation und Beschäftigung – und damit unser Wirtschaftsstandort insgesamt», so Meier abschliessend. 

Über den Stimmungsbarometer 

Unsere halbjährliche Konjunkturumfrage basiert auf einer Online-Umfrage bei unseren Mitgliedern, ergänzt durch Gespräche mit CEO sowie mit Expertinnen und Experten von Unternehmen. Wir führen die Befragung in Zusammenarbeit mit economiesuisse durch.

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