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14. März 2015

Kein Verzicht auf die Einführung von Sammelfächern auf der Sekundarstufe I

Die Handelskammer unterstützt die Einführung von Sammelfächern auf der Sekundarstufe I und stellt sich hinter die einheitlichen Stundentafeln der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt.

 

Grundsätzliche Erwägungen

Bereits im Juni 2012 wurde anlässlich einer Medienkonferenz die harmonisierten Stundentafeln der beiden Basel über alle Schulstufen präsentiert. Damit wurde dem demokratisch erklärten Willen der Bevölkerung nach einem harmonisierten Schulsystem Rechnung getragen. Ab dem kommenden Schuljahr 2015/16 stimmen diese Stundentafeln der beiden Kantone, bis auf minimale Abweichungen, überein. Das ist eine bikantonale Kooperation, die in der ganzen Schweiz einmalig ist und als Zeichen einer tatsächlichen und inhaltlichen Umsetzung von HarmoS Signalwirkung haben könnte. Seitens der Wirtschaft gibt es keinen Grund, diese Harmonisierung rückgängig zu machen. Für Lehrbetriebe ist ein transparenter Vergleich von Schulabgängern aus beiden Basel wichtig und führt dazu, geeignete Schulabgänger zu finden, um diese als qualifizierte Fachkräfte für die Wirtschaft auszubilden. Auch für die Auszubildenden resultiert hieraus der Vorteil, dass sie zukünftig anhand von Leistungen unvoreingenommen rekrutiert werden können und nicht durch Wohnsitznahme im „falschen“ Kanton weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Die Handelskammer unterstützt das HarmoS-Konkordat und als dessen inhaltliche Umsetzung in den Grundsätzen auch den Lehrplan 21. Sie ist davon überzeugt, dass ein möglichst einheitliches Schulsystem Kosten spart und Arbeitnehmern mit Familie die Mobilität innerhalb der Schweiz vereinfacht.

 

Zur Vorlage

Vermuteter Bildungsabbau ist nicht nachgewiesen. Die Initianten behaupten, Sammelfächer würden einen Bildungsabbau nach sich ziehen. Nun ist dieses Argument weder leicht zu beweisen, noch zu widerlegen. Es gibt im europäischen Raum nur vier empirische Studien, die über die Auswirkungen von interdisziplinären oder eben getrennt unterrichteten Fächern Auskunft geben können (Labudde, 2014). Die Studien berücksichtigen vorwiegend naturwissenschaftliche Fächer, die Leistungen wurden anhand einer PISA-Studie ausgewertet: Es konnte kein Qualitätsabbau festgestellt werden, allerdings auch keine Verbesserung. D.h. beide Unterrichtsformen bringen gleich gute Schulabgänger hervor. Positive Auswirkungen konnten allerdings bei Mädchen festgestellt werden, die sich bei der interdisziplinären und prozessbezogenen Unterrichtsform viel interessierter für MINT-Fächer zeigten. Zudem wurde das vernetzte Denken bei allen Schülern stärker gefördert und zeigte sich dementsprechend ausgeprägter als bei den Schülern, die in Einzelfächern geschult wurden.

In der Schweiz werden bereits in etlichen Kantonen Sammelfächer oder sogenannte Kombifächer angeboten und das teilweise schon seit vielen Jahren. Dabei werden diese Fächer oft von mehreren Lehrern in Teamarbeit vorbereitet und auch gelehrt. Auch der Kanton Basel-Landschaft führt die beiden Fächer Biologie und Chemie in der 8. und 9. Klasse als Sammelfach. Da Sammelfächer mehrere Wochenlektionen umfassen, ermöglichen sie den Lehrpersonen, auch Arbeiten und Experimente durchzuführen, die mehr Zeit beanspruchen, als die vorgegebenen 45 Minuten einer Einzellektion. Die Aufgliederung der Sammelfächer in Einzelfächer würde zudem zu Fächern mit nur einer Wochenlektion oder Jahreslücken führen, was keinen Sinn macht. Das Sammelfach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt bringt zusätzliche Fächer in die Sekundarstufe I, die bislang auf dieser Schulstufe höchstens als Wahlfach angeboten wurden. So kann es für zukünftige Lehrbetriebe durchaus sinnvoll sein, wenn sich die Auszubildenden bereits mit Produktions- und Arbeitswelten, Märkten und Handel beschäftigt haben oder die Bedeutung der Wertschöpfung und den Umgang mit Geld im Grundsatz kennen.

 

Auswirkungen auf Sekundarstufe II

Die Sek. I-Stufe bereitet Schülerinnen und Schüler u.a. auf die duale Berufsbildung vor. So kennt beispielsweise der BM-Lehrplan nicht nur die im Lehrplan 21 vielkritisierten Kompetenzen. Es werden auch die Fächer Chemie, Biologie und Physik gemeinsam als Sammelfach „Naturwissenschaft“ angeboten. Durch die Einführung des Sammelfaches „Natur und Technik“ auf Stufe Sek. I könnte den Schulabgängern der Übergang in eine BM-Schule erleichtert werden, da sie dieses System mit kombinierten Fächern kennen und bereits gelernt haben, vernetzt zu denken. In den Gymnasien werden Fächer weiterhin einzeln angeboten. Dies mag damit zusammenhängen, dass an den Universitäten mehrheitlich Biologie, Physik und Chemie in getrennten Studiengängen gelehrt wird. Allerdings unterliegt auch dies dem Wandel der Zeit und mittlerweile gibt es auch interdisziplinäre Studienrichtungen (z.B. Biophysik, Biochemie oder Nanotechnologie).

 

Lehrerausbildung

Wie oben erwähnt, werden Kombifächer in verschiedener Zusammensetzung bereits in vielen Kantonen geführt. Bislang hatte dies kaum Auswirkungen auf die Lehrerausbildung und muss es auch nicht zwingend haben. Die EDK gibt zudem vor, dass sowohl der konsekutive wie auch der integrale Studiengang zur Ausübung des Lehrberufs auf der Sekundarstufe I führt. Hier wird die Initiative über den Verzicht von Sammelfächern keinen Einfluss haben. Die Handelskammer möchte hervorheben, dass sie eine solide und qualitativ hochstehende Ausbildung für Lehrpersonen vollumfänglich unterstützt. Aufgrund der Tatsache, dass die Pädagogische Hochschule vier Trägerkantone hat, ist es aber unumgänglich, eine Lösung für die gesamte Region zu finden. Der Kanton Basel-Landschaft läuft sonst Gefahr eine Insel in der Bildungslandschaft Nordwestschweiz zu werden.

 

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Sammelfächer Basel-Landschaft

Karin Vallone
Bereichsleiterin Bildung
k.vallone@hkbb.ch
T +41 61 270 60 86

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