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03. Oktober 2016

Wie setze ich für mein Unternehmen die WIR-Währung effizient ein?

Die Handelskammer beider Basel hat bei der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Untersuchung der WIR-Währung in Auftrag gegeben. Hintergrund waren einzelne kritische Äusserungen über Aufwand und Ertrag der WIR-Nutzer. Das Ziel der Projektarbeit war, aktuellen oder potenziellen Teilnehmenden Handelsempfehlungen zu geben, und damit einen Beitrag für den besseren Umgang mit der WIR-Währung zu leisten.

 

WIR -... 

 

Wie die WIR-Währung enstand

Geboren ist die WIR-Währung nach der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929. Als die Schweiz 1934 in einer tiefen Rezession verharrte, hatten einige Schweizer die Idee, etwas gegen die damit verbundene mangelnde Liquidität zu unternehmen. Als Folge führten sie einen Tauschring ein, der 1934 zur Gründung des WIR-Wirtschaftsrings führte. Danach folgten Höhen und Tiefen. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges stand der WIR-Wirtschaftsring kurz vor dem Ende. 80 Jahre nach Einführung ist dieses Netzwerk jedoch um ein Vielfaches gewachsen und wird heute hauptsächlich von kleinen und mittleren Unternehmen genutzt. Aus dem ursprünglichen WIR-Wirtschaftsring wurde die heutige WIR Bank.

 

Wie das WIR-System funktioniert

Die Hauptfunktion im WIR-System hat die WIR-Bank, da sie aktiv WIR-Kredite an Teilnehmer zu banküblichen Sicherheiten vergibt. Die WIR-Bank gewährt diese Kredite jedoch ohne die Entgegennahme von Kundengeldern. Damit übernimmt die WIR-Bank die Geldschöpfung, wie die Schweizerische Nationalbank beim Schweizer Franken. Die Kunden, die den WIR-Kredit erhalten, sind verpflichtet, während der Kreditdauer das WIR-Guthaben planmässig anzuhäufen, um es nach Ablauf der vereinbarten Kreditdauer zurückzahlen zu können.

 

Damit das WIR-System effizient funktioniert, müssen mehrere Partner beteiligt sein. Dies reduziert die Suchkosten für einen geeigneten Auftrag. Der Tauschvorgang wird beim WIR-System in zwei einzelne Transaktionen geteilt. Somit kann das Unternehmen X von Unternehmen Y eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, ohne dass das Unternehmen Y auch etwas vom Unternehmen X benötigt. Das WIR-System zählt insgesamt 60‘000 Teilnehmende. Davon sind rund 50‘000 KMU, vorwiegend aus dem Sekundärsektor, und 10‘000 Angestellte von WIR-Kunden. Für Grossunternehmen scheint das WIR-Geschäft eher unattraktiv, da die Währung für Import- und Export-Geschäfte, Löhne oder Steuern nicht eingesetzt werden kann.

 

Vorteile der WIR-Währung

  • Schweizweites Netzwerk: Rund 15% aller KMU in der Schweiz gehören dem WIR-Netzwerk an. Den meisten Nutzern dient WIR als Marketinginstrument, um Aufträge zu erhalten und Kunden zu binden.
  • Die WIR-Bank kann WIR-Kredite zu relativ tiefen Zinsen anbieten, da sie die Währung selber schöpfen kann.
  • Die Akteure sehen einen grossen Vorteil in der technischen Langlebigkeit. Es ist nicht möglich, dass die Begeisterung und somit der Tauschverkehr erlahmt, denn das Kreditgeschäft dient hier als treibender Motor.

 

Nachteile der WIR-Währung

  • Die WIR-Währung wirft keinen Zins ab. Somit muss die WIR-Geldmenge ständig in Bewegung bleiben. Entsprechend ist ein aktives Währungsmanagement notwendig.
  • Die WIR-Währung hat in den letzten Jahren an Ansehen verloren. In der heutigen Tiefzinsphase ist es für die WIR-Währung zudem schwierig, sich zu profilieren.
  • Ein weiterer Nachteil wird in der begrenzten Handelbarkeit gesehen. Das Abnehmer-Spektrum und somit die Platzierungsmöglichkeiten für WIR sind reduziert, da nur mit Teilnehmern des Systems ein Geschäft zustande kommen kann.
  • WIR kann nur im Binnenmarkt eingesetzt werden. Exportorientierte Unternehmen können entsprechend nur bedingt von der WIR-Währung profitieren.
  • Der Umgang mit WIR erfordert einen zusätzlichen administrativen Aufwand. Die Prozesse, welche sonst mit einer einzigen Währung abgewickelt werden könnten, gestalten sich komplexer, indem WIR ebenfalls berücksichtigt werden muss. Auch die Netzwerkpflege an sich ist mit Mehraufwand verbunden.

 

Handlungsempfehlungen für Nutzer und Interessierte

Viele Unternehmen sehen sich mit der Frage konfrontiert, ob sich eine Teilnahme am WIR-System rentiert oder nicht. Tatsache ist, dass WIR im „Mantel“ einer Währung daherkommt, aber vielmehr als Marketinginstrument betrachtet werden sollte. Dieser Fakt sollte den bestehenden sowie den potenziellen Teilnehmern am WIR-System stets bewusst sein. Vor diesem Hintergrund muss jede Unternehmung selbst abwägen, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen oder nicht.

 

Die Handelskammer beider Basel empfiehlt, sich im Zusammenhang mit WIR folgende Leitfragen zu stellen:

  • Kann sich mein Unternehmen mit dem WIR-System identifizieren? WIR entstand ursprünglich aus einem Selbsthilfegedanken. Dementsprechend muss die Bereitschaft vorhanden sein, andere WIR-Teilnehmer zu unterstützen, indem man eine Mindestannahme dieser Währung akzeptiert.
    → Wenn uns der Selbsthilfegedanken der WIR fremd ist und wir nicht bereit sind, ein gewisses Mass dieser Währung zu akzeptieren, sollten wir am WIR-System nicht teilnehmen.
  • Verfügt mein Unternehmen über genügend flüssige Mittel, um einen reibungslosen Geschäftsverkehr zu gewährleisten? WIR muss in einer gesunden Relation zu den übrigen Bilanzpositionen stehen, da dieser nur bedingt als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann.
    → Bei einem Mangel an flüssigen Mitteln sollte von einer Beteiligung am WIR-System abgesehen werden.
  • In welchem Tätigkeitsgebiet ist meine Unternehmung tätig? Bei überwiegend international tätigen Unternehmen ist von einer Teilnahme abzuraten. Falls das Unternehmen international aktiv ist, aber genug nationale Geschäftsbeziehungen vorhanden sind, kann sich ein Einstieg in das WIR-System grundsätzlich lohnen.
    → Bei geringen nationalen Geschäftsbeziehungen ist die Teilnahme am WIR-System nicht empfehlenswert.
  • Existieren künftige Platzierungsmöglichkeiten? Die Durchdringung der WIR-Währung ist stark branchenabhängig. Zu beachten ist, dass selbst bei einer hohen Durchdringung der WIR-Währung in der eigenen Branche die Platzierungsmöglichkeit nicht garantiert ist.
    → Vor der Teilnahme am System muss sichergestellt werden, dass die WIR auch nahe an der eigenen Branche placiert werden können.
  • Wie viele WIR-Teilnehmer partizipieren im selben Markt? Ist die Konkurrenz gross, läuft man Gefahr, bei Auftragsvergaben einen hohen Anteil an WIR entgegennehmen zu müssen, den man ohne Planung nicht wieder im Umlauf bringen kann. Bei einer hohen Anzahl an Konkurrenten im WIR-Netzwerk muss sich das Unternehmen die Frage stellen, ob es im Markt auch ohne WIR-Annahme bestehen kann. Ist die Konkurrenz hingegen nur marginal im WIR-System vertreten, kann man sich als WIR-Teilnehmender von der nicht am WIR-System teilnehmenden Masse abheben.
    → Je nach Marktverhältnissen kann die Teilnahme am WIR-System einen Konkurrenzvorteil bedeuten. Ob und wie lange sich dieser positiv auf die eigenen Marktchancen auswirkt, muss jeder Marktteilnehmer selbst abschätzen.

 

Kann mein Unternehmen aus dem WIR-System wieder aussteigen?

Jeder WIR-Teilnehmer kann aus dem System wieder austreten. In der Praxis gestaltet sich dies jedoch nicht immer einfach – und ein Ausstieg ist wohl auch nicht Ziel des Systems. Aus diesem Grund sind oben erwähnte Leitfragen vor dem Eintritt in das WIR-System zu stellen, um unwillkommene Überraschungen zu vermeiden.

 

Fazit

Ein Einstieg in die WIR-Welt kann für gewisse Unternehmen interessant sein. Jedoch weist das System auch Nachteile auf, die es vor der Teilnahme zu prüfen gilt. Insbesondere sollte das Unternehmen ein aktives Management der WIR-Währung verfolgen, da ansonsten ein Liquiditätsengpass drohen kann.

 

Dr. Franz A. Saladin
Direktor
f.saladin@hkbb.ch
T +41 61 270 60 70

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