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20. Februar 2015

Wie Unternehmen der Region auf die Frankenstärke reagieren

Die schlagartige Aufwertung des Frankens am 15. Januar dieses Jahres betrifft viele Unternehmen der Region Basel ganz besonders. Sie ist stark exportorientiert und als Grenzregion mit erheblichem Einkaufstourismus konfrontiert. Die Handelskammer beider Basel hat mit Unternehmerinnen und Unternehmern der Region über deren Reaktionen auf einen Wechselkurs EUR/CHF zwischen 1.05 und 1.10 gesprochen. Jetzt, gut ein Monat nach dem folgeschweren Entscheid der Nationalbank, überblicken diese die neue Situation und leiten die notwendigen Massnahmen ein.

 

Exportorientierte Unternehmen strengen sich in dieser ersten Phase an, ihre Marktposition zu halten und insbesondere Grossaufträge abzusichern. Kurz- und mittelfristig müssen sie jedoch ihre Margen durch Effizienzsteigerungen wieder erhöhen. Im Bereich des Personalmanagements werden hierfür Anpassungen von Zeit- und Ferienreglementen, Arbeitgeberleistungen wie die Nichtberufsunfallversicherung oder das Krankentaggeld oder das Sistieren von Lohnerhöhungen, insbesondere bei Grenzgängerinnen und Grenzgängern, geprüft. Auch werden Personalabgänge nicht sofort ersetzt. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer suchen dafür das Gespräch mit ihrer Belegschaft, informieren sie und beziehen sie in die Lösungsfindung mit ein. Von der Politik und Verwaltung erwarten sie, diese Anpassungen mitzutragen oder zumindest nicht zu behindern und gleichzeitig Rechtssicherheit – zum Beispiel beim Thema Eurolöhne – zu schaffen.

 

Kosten, die nicht über eine langfristige Anpassung des Lohnniveaus gesenkt werden können, müssen anderswo eingespart werden. Unternehmen analysieren ihre Situation dafür genau und schöpfen zunächst alle Möglichkeiten aus, die Effizienz zu steigern, Aufgaben zu bündeln und die Kadenz im Verkauf zu erhöhen. Kurzfristig wird auch das Gespräch mit Kunden und Lieferanten gesucht. Während Abnehmern produktspezifische Preiskorrekturen kommuniziert werden, wird mit Schweizer Lieferanten verhandelt und damit zumindest ein Teil des Einkaufsdrucks weitergegeben. Erst dann wird auf ausländische Lieferanten ausgewichen und auf Euro – oder andere Währungen – umgestellt („Natural Hedging“) oder grundsätzlich die Abhängigkeit durch Diversifikation reduziert. Mittel- bis langfristig sind Wechselkursfloater in Verträgen eine Option.

Auslagerungen werden vermehrt in Betracht gezogen. Auch wenn Kernelemente der Unternehmen bevorzugt noch in der Schweiz gehalten werden, stehen Teilverlagerungen des Headquarters oder vor allem von Produktionseinheiten zur Disposition, sofern die Zollhürden nicht zu hoch sind. Rascher als das Planen von neuen Standorten oder das Verlagern ganzer Prozesse (inkl. Forschung und Entwicklung) verläuft die Auslagerung an bereits vorhandene Firmenstandorte im Ausland. Aber ausgeschlossen wird auch Ersteres nicht. Trotz aller Unsicherheiten versuchen die Unternehmen an Investitionen, auch in die Aus- und Weiterbildung, so weit wie möglich festzuhalten, um bei einer erhöhten Nachfrage wettbewerbsfähig zu sein.

 
„Smart Regulation“, Planungssicherheit und Freihandel

Abgesehen von der Möglichkeit, Kurzarbeit einzuführen, lehnen Unternehmen Interventionen in der Form von Konjunkturprogrammen oder branchenspezifischen Massnahmen ab. Die Wirtschaft wünscht sich hingegen deutliche Fortschritte in den drei Bereichen „Smart Regulation“, Planungssicherheit und Freihandel. „Smart Regulation“ bedeutet, kostenintensive Regulierungen zu vereinfachen oder – wenn diese keinen Mehrwert bringen – ganz wegzulassen. Die Revision des Aktienrechts, die Energiestrategie 2050 und der Gegenvorschlag des Bundesrates zur „Grünen Wirtschaft“ gehören für die Unternehmen sistiert, da sie ihnen in dieser schwierigen Situation weitere Bürden auferlegen. Auch die überbordende Regulierung im Finanzdienstleistungssektor muss gebremst werden. Gesetze und Standards müssen, um Unternehmen nicht übermässig zu belasten, möglichst wenig internationale oder gar interkantonale Unterschiede aufweisen und ein Minimum an Dokumentationen, Unterlagen und firmeninternen Abklärungen bedingen.

Investitionsentscheide erfordern eine gewisse Planungssicherheit. Auch wenn die Unabhängigkeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) unbestritten bleibt, wünschen sich Unternehmerinnen und Unternehmer regelmässige Gespräche am „Runden Tisch“ mit der SNB. Gesetze mit grossem Einfluss auf die Wirtschaft müssen rasch verabschiedet werden. Unternehmen nennen hier insbesondere die Unternehmenssteuerreform III, den Masterplan zur Stärkung der biomedizinischen Forschung und Technologie sowie die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative resp. das Aufrechterhalten der Bilateralen Verträge mit der Europäischen Union. Exportierende Unternehmen wollen ihre starke Abhängigkeit von der Eurozone reduzieren und fordern deshalb den Bund auf, weitere Freihandelsabkommen, insbesondere mit den USA, abzuschliessen. Freihandel heisst aber auch, Monopole zu bekämpfen und mit einer Kartellgesetzrevision einen wirksamen Wettbewerb zu ermöglichen.

 

Sinkendes Steuersubstrat

Unternehmerinnen und Unternehmer gehen davon aus, dass das verfügbare Steuersubstrat in nächster Zeit geringer wird. Damit würden der öffentlichen Hand Mittel für Investitionen fehlen. Die Verwaltung muss deshalb – wie die Wirtschaft – effizienter werden und Einsparungen beim laufenden Betrieb realisieren anstatt Investitionen, zum Beispiel in die Verkehrs- und Logistikinfrastruktur, zurückzufahren. Eine Erhöhung der Steuerlast wäre zum jetzigen, äusserst herausfordernden Zeitpunkt kontraproduktiv. Ausgehend vom gegenwärtigen Zinsniveau müssen aus Sicht der Unternehmen auch die Auswirkungen auf die Altersvorsorge analysiert und gegebenenfalls die Mindestzinsen angepasst werden.

Der erstarkte Franken wird Arbeitsplätze kosten und es ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne Firmen der währungsbedingten Konkurrenz nicht gewachsen sind und schliessen oder abwandern müssen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer der Region Basel werden in erster Linie in Eigenregie diese grossen Herausforderungen meistern. Die Politik muss jedoch den geeigneten Rahmen für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit bilden und die Verwaltung durch Effizienzsteigerungen in den eigenen Reihen ihren Beitrag zum Erfolg des Wirtschaftsraumes beitragen.

Dr. Franz A. Saladin
Direktor
f.saladin@hkbb.ch
T +41 61 270 60 70

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